Bitcoin

 

Bitcoins schaffen es immer wieder in die Schlagzeilen der Weltpresse. Teilweise mit durchaus positiven Nachrichten. So etwa im März dieses Jahres als eine Einheit der digitalen Währung erstmals mehr Wert war als eine Feinunze Gold. Immer wieder kommt es aber auch zu Meldungen, die eine gewisse Skepsis verbreiten: So steht der Gründer der einst größten Handelsplattform für Bitcoins - Mt.Gox - aktuell in Japan vor Gericht. Insgesamt sollen dort umgerechnet rund 450 Millionen Euro unter ungeklärten Umständen verloren gegangen sein. Auf der anderen Seite ist die Technologie hinter der digitalen Währung so revolutionär, dass sich fast alle Notenbanken der Welt intensiv damit beschäftigen. 

Seit wann gibt es Bitcoins als digitale Währung?

Die Geschichte der Bitcoins ist untrennbar verbunden mit dem Namen "Satoshi Nakamoto". Wer aber tatsächlich hinter diesem Pseudonym steckt, ist bis heute nicht geklärt. Es ist nicht einmal gesichert, ob es sich um eine Einzelperson oder eine Gruppe handelt. Im Jahr 2008 machte im Internet auf jeden Fall ein Konzept die Runde, in dem eine unabhängige und zentral verwaltete Währung entworfen wurde. Der wichtigste Punkt dabei: Es gibt keinen Mittelsmann mehr, sondern der Handel mit der Währung erfolgt direkt zwischen zwei Personen. Anstelle des Vertrauens in den Mittelsmann, auf dem unser heutiges Geldsystem basiert, tritt ein kryptografischer Beweis.

 

Die Idee wurde schnell von verschiedenen Aktivisten aufgegriffen und im Jahr 2009 wurden die ersten Bitcoins erschaffen. Die weltweite Verbreitung wurde dann ermöglicht, als am 18. Juli 2010 mit Mt.Gox eine erste Tauschbörse etabliert wurde. Dort konnten Nutzer ihr konventionelles Geld in die digitale Währung tauschen. Es war also fortan nicht mehr nötig, selbst Bitcoins zu schürfen. Mt.Gox selbst existierte schon länger und wurde von dem US-Amerikaner Jed McCaleb gegründet. Ursprünglich handelte es sich allerdings um eine Tauschbörse für elektronische Sammelkarten. McCaleb erkannte aber schnell das Potential der Kryptowährung und baute die Seite zur ersten weltweiten Bitcoin-Börse um. 

 

Schon ein knappes Jahr später verkaufte er seine Seite dann an den in Tokio lebenden Franzosen Mark Karpelès. Warum es zu dem Verkauf kam, ist bis heute unklar. Er stellt aber eine Zäsur in der Geschichte der digitalen Währung dar: Von nun an kann Japan als Zentrum der Entwicklung gelten. 

Wie funktioniert das Bitcoin System?

Bei konventionellen Währungen sind die Notenbanken für die Geldmenge verantwortlich. Das Geld wird also von einer zentralen Institution geschaffen. Bei den Bitcoins ist dies hingegen nicht der Fall. Vielmehr wird dort ein dezentraler Ansatz verfolgt: Theoretisch kann also jeder entsprechendes digitales Geld erschaffen. Dieser Prozess ist auch als "Mining" bekannt. Rein sprachlich soll also eine Verbindung zu Gold schürfen hergestellt werden. Tatsächlich geht es aber darum, Rechenleistung zur Verfügung zu stellen, um Bitcoin-Transaktionen zu validieren. Vereinfacht ausgedrückt, fassen die Miner verschiedene Transaktionen zu einem Block zusammen und tragen diese in das öffentliche Kontenbuch - die "Blockchain" - ein. 

 

Der Clou dabei: Ein ausgeklügeltes kryptologisch-mathematisches Verfahren erschwert die Operation. Der einfachste Ansatz besteht darin, einfach alle denkbaren Lösungsmöglichkeiten hintereinander auszuprobieren. Dafür müssen die Nutzer Rechenleistung zur Verfügung stellen, um die komplizierte Verschlüsselung zu knacken. Dabei findet ein Wettrennen statt: Wer als erster das Ziel erreicht und einen neuen Block zur Blockchain hinzufügt, erhält aktuell als Belohnung 25 Bitcoins. Dies ist aber nicht zwingend immer der Nutzer mit der größten Rechenleistung. Denn auch ein anderer Rechner kann zufällig früher die richtige Lösung ausprobieren. Generell gilt aber: Je mehr Rechenleistung vorhanden ist, desto wahrscheinlicher ist es, neue Bitcoins zu erhalten. Der Wert des einzelnen Bitcoins ergibt sich dann aus Angebot und Nachfrage. Zu Beginn war die digitale Währung kaum etwas Wert, weil man damit nirgendwo zahlen konnte. Inzwischen ist dies aber bei einigen Unternehmen möglich. Die Finanzkrise im Jahr 2008 hat zudem für ein nachlassendes Vertrauen in das klassische Finanzsystem gesorgt - und die Nachfrage nach Bitcoins steigen lassen.

Was sind die Vor- und Nachteile von Bitcoins?

 Der erste große Vorteil einer digitalen Kryptowährung wie den Bitcoins besteht in den niedrigen Transaktionskosten. Der eine oder andere mag nun einwenden, dass auch heute Überweisungen bereits kostenlos sind. Dies ist aber nur teilweise richtig. Zum einen gilt dies nur für Inlandstransaktionen - wer schon einmal Geld ins Ausland transferiert hat, weiß, dass dabei erhebliche Gebühren anfallen können. Zum anderen entstehen auch bei Inlandsüberweisungen Kosten, die aber teilweise von der Bank übernommen werden. Bei Bitcoins sinken die Transaktionskosten hingegen auf wenige Cent. Zudem kann die gesamte Transaktion innerhalb weniger Minuten abgewickelt werden. 

 

Ein weiterer großer Vorteil liegt in der Tatsache, dass keine dritte Instanz als Aufsicht benötigt wird. Oder anders ausgedrückt: Selbst wenn unsere heutigen Nationalstaaten inklusive aller Institutionen und Banken nicht mehr existieren würden, wäre die digitale Währung davon zunächst nicht betroffen. Dies ist auch der Grund, weshalb die weltweite Finanzkrise zu einem Schub bei der Verbreitung der Kryptowährungen geführt hat. Außerdem kann es bei den Bitcoins keine Inflation im klassischen Sinn geben. Denn die Geldmenge ist durch den Algorithmus von vorneherein auf 21 Millionen Einheiten festgelegt. Dieser Wert dürfte nach aktuellen Schätzungen etwa im Jahr 2030 erreicht werden. 

 

Dies bedeutet aber nicht, dass die digitale Währung nicht an Wert verlieren kann - zumindest wenn man den Umtauschkurs in eine klassische Währung wie den Euro oder den Dollar betrachtet. Vielmehr liegt genau darin eine Schwäche der Bitcoins: Der Kurs ist extrem schwankend. So wurde im Jahr 2013 ein erster Höchststand erreicht, bevor zunächst eine lange Talfahrt begann, die erst rund zwei Jahre später endete. In dieser Zeit sind einige digitale Vermögen merklich geschrumpft. Seitdem ist zwar wieder ein steigender Kurs zu beobachten, allerdings mit starken Ausschlägen nach oben und unten. Geld in Bitcoins zu investieren, ist daher hochspekulativ. Für eine klassische Geldanlage ist die digitale Währung ungeeignet. 

 

Zumal die Historie zeigt, dass auch ein weiterer Nachteil beachtet werden muss: Bitcoins sind anfällig für kriminelle Machenschaften. Immer wieder ist es Hackern und Betrügern gelungen, teilweise hohe Summen zu erbeuten. Zwar gibt es auch bei konventionellen Währungen Banküberfälle. Der Schaden für den Endkunden wird aber in der Regel durch das Finanzsystem ausgeglichen. Genau so etwas gibt es bei den Bitcoins aber nicht. Ob die Anonymität des Zahlungsverkehrs ein Vorteil oder ein Nachteil ist, ist umstritten. Auf der einen Seite stellt dies einen Gewinn für die Privatsphäre dar, auf der anderen Seite nutzen Kriminelle dies aber auch, um etwa Geld zu waschen. 

 

Welche Unterschiede gibt es im Vergleich zu konventionellen Währungen?

 

Der große Unterschied zwischen den Bitcoins und etwa dem Euro liegen im Aufbau des Finanzsystems. Der Euro ist zentral organisiert: Die Europäische Zentralbank gibt eigentlich wertlose Papierscheine heraus. Die Menschen vertrauen aber darauf, dass sie dafür einen entsprechenden Gegenwert erhalten. Um dies zu gewährleisten kontrolliert die Zentralbank die Geldmenge und greift auch sonst immer wieder in das System ein. Bei Bitcoins ist dies anders. Hier finden Transaktionen direkt zwischen den Nutzern statt. Das Geldsystem ist also dezentral organisiert. Der Wert eines Bitcoins ergibt sich somit auch ausschließlich aus dem Spiel von Angebot und Nachfrage. In diesem Punkt ähnelt die digitale Währung daher eher einem Edelmetall wie Gold. Es ist daher kein Zufall, dass auch ein Geldsystem auf Basis von Goldmünzen einige ähnliche Vorteile wie die digitale Kryptowährung mit sich brächte. Allerdings sind Goldmünzen deutlich schwerer zu transferieren als digitale Bitcoins.